In meiner Jugend wurde Individualität großgeschrieben. Zwar gab es Popper, Alternative (auch Müslifresser genannt), Punks, Grufties, und immer schon Spießer. Die jeweilige Zugehörigkeit war an optische Merkmale gebunden, wie Haartolle und Lacoste-Poloshirts, selbstgefärbte Windeln als Halstücher oder Yogi-Tee, Irokesenschnitt oder blasse Haut und schwarze Klamotten.

Individualität erfordert Mut und wird in Zeiten von Globalisierung immer schwieriger und wichtiger. Foto: Pixabay

Daneben gab es natürlich auch damals Dinge, die man in keinem Fall tragen bzw. in jedem Fall anziehen musste. Dazu zählten Adidas-Turnschuhe und bloß nicht die mit nur zwei Streifen, Levis-, Wrangler- oder Lee-Jeans und auf keinen Fall solche der Marke Jingler. Abgesehen davor aber war es cool, innerhalb der angesagten Grenzen, einen eigenen Stil zu haben. Das zeugte von Charakter, Eigenwillen, Selbstbewusstsein oder u.U. auch nur von weit gereisten Eltern, die unbekannte Dinge bzw. Marken mitbrachten.

Heute gibt es immer noch Label, die in und solche die out sind. Der Wunsch aber, sich durch Optik abzugrenzen bzw. sich auch äußerlich als Persönlichkeit zu definieren, ist durch Internet und Globalisierung schwer geworden. Wie soll man Trendsetter sein in einer Welt, in der jeder Trend in kürzester Zeit seinen Weg rund um den Globus findet?

Der Handel kann mit Individualität punkten – bei Storedesign & Sortiment

Umso wichtiger wird Individualität – auch und gerade im Handel. Wenn es für den Einzelnen derart schwer ist, sich optisch abzugrenzen, sollen wenigstens die Orte, an denen wir kaufen besonders sein. Nicht ein Laden wie jeder andere wird gesucht, sondern ein Geschäft wie kein anderes! Das gilt abgeschwächt auch für das Sortiment. Natürlich sollte ein Geschäft die bei der jeweiligen Zielgruppe angesagten Marken führen. Genauso wichtig aber sind Label, die vom Stil her passen, aber eben nicht an jeder Ecke zu haben sind. Wer hört nicht gern die Frage: „Das sieht aber toll aus. Wo hast du das denn gefunden?“

Individualität betrifft längst nicht nur das Sortiment, sondern auch und ganz besonders das Storedesign und -konzept. Das EHI Retail Institute in Köln macht als Megatrends im Ladenbau u.a. flexible Flächen, Wohnlichkeit und Personalisierung aus. Letzteres ist beispielsweise durch Konfigurationstools zu erreichen, die den Kunden quasi an der Fertigung seines Wunschprodukts beteiligen.

Ihr Andreas Nemeth

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