Zuweilen lesen sich Stellenausschreibungen wie der Traum von der eierlegenden Wollmilchsau. Das ist übrigens nicht erst heute so – auch als ich nach der Ausbildung meinen ersten festen Arbeitsplatz suchte, konnte man sich fragen, wie und vor allem bei wem Wunsch und Wirklichkeit da passen sollten. Jung und unverbraucht sollen sie sein, nicht älter als 25, aber ein abgeschlossenes Master-Studium haben sowie mehrjährige Auslandserfahrung, vier Sprachen fließend, kommunikativ, Teamplayer, leistungsorientiert, versiert in sämtlichen möglichen digitalen Kanälen, bestens vernetzt – am besten global, agil (das darf heute nicht fehlen), open minded (dito) usw.

Schade drum: Erst werden begabte Mitarbeiter gesucht, und dann wird alles getan, um sie zu demotivieren. Foto: Pixabay

Mich wundern daran zwei, nein eigentlich drei Dinge:

  1. Hat sich schon mal jemand überlegt, wie viele sehr gute potenzielle Mitarbeiter man mit solchen, eigentlich utopischen Anforderungen abschreckt?
  2. Hat sich noch nicht herumgesprochen, dass der Arbeitsmarkt kippt, also von dem, was nicht nur in den Medien „War for Talents“ genannt wird? Den Kampf um die Besten gewinnt man kaum durch überzogene Erwartungen!
  3. Und last, but not least: Warum eigentlich suchen Unternehmen hochtalentierte Mitarbeiter, wenn deren Begabungen, Motivation und Ideen dann in vielen Fällen nicht genutzt, erwünscht oder – am schlimmsten – nachhaltig unterdrückt werden?

Steve Jobs, Mitgründer und langjähriger CEO von Apple, hat einmal gesagt: „Es macht keinen Sinn kluge Köpfe einzustellen und ihnen dann zu sagen, was sie zu tun haben. Wir stellen kluge Köpfe ein, damit sie uns sagen, was wir tun können.“ Das könnte, ja sollte sich so mancher Unternehmer, der nach wie vor auf der patriarchalischen Welle schwimmt und meint, nur er wisse, welche Entscheidungen zu treffen seien, hinter die Ohren schreiben.

Die Mehrzahl der Mitarbeiter würde die gleichen Entscheidungen wie der Chef treffen

Junge Unternehmen agieren längst anders. Beim Streamingdienst Spotify geht man davon aus, dass Mitarbeiter in 70 Prozent der Fälle die gleichen Entscheidungen wie der Chef treffen würden. Bei 20 Prozent wären sie sogar besser. Natürlich gibt es Mitarbeiter, die ungern Verantwortung übernehmen möchten – aus welchen Gründen auch immer. Die Mehrzahl wünscht sich einen größeren Einfluss auf Entscheidungen: 84 Prozent waren es bei einer Online-Umfrage von Haufe unter knapp 12.000 Teilnehmern.

Ihr Andreas Nemeth

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