Selbst wenn Kunst von Können kommt: Kreativität beflügelt auch diejenigen, die weniger Talent haben. Marco Uliana /Fotolia

Selbst wenn Kunst von Können kommt: Kreativität beflügelt auch diejenigen, die weniger Talent haben. Marco Uliana /Fotolia

„Factory“, also Fabrik, nannte der amerikanische Pop-Art-Künstler Andy Warhol seine Ateliers. Eine Provokation, die der Kunst das Elitäre nahm, sie für jedermann machbar und vor allem reproduzierbar erscheinen ließ. „In Zukunft wird jeder 15 Mi­nuten weltberühmt sein“, lautete eine seiner Aussagen, und wenn man sich die Viel­zahl an Blogs, geposteten Selfies usw. anschaut, könnte man fast den Eindruck be­kommen, er hätte in die Zukunft geschaut. Denn zumindest empfinden es viele wohl so, als wären sie weltberühmt und die Menschheit hätte ein Interesse an jeder ihrer Aktivitäten.

Ganz gleich, ob man Warhols Einstellung teilt oder nicht, fest steht, dass in jedem Menschen kreatives Potenzial schlummert, dass in der Kindheit mehr oder weniger gefördert wird. Wer als Kind ein Instrument gelernt hat, wird meist eine engere Ver­bindung zur Musik haben. Wer in einem Haushalt mit vielen Büchern groß geworden ist, wird sich ein Leben ohne sie nur schwer vorstellen können. Wer seine Sonntag­nachmittage mit dem Tuschkasten verbracht hat, wird auch als Erwachsener die Ruhe zu schätzen wissen, die in kreativen Prozessen zu finden ist. Der Witz daran: Man muss nicht gut sein – allein das Ausführen einer kreativen Tätigkeit verschafft Befriedigung, ermöglicht neue Perspektiven, lässt Abstand zum Alltag gewinnen.

Und darum meine Aufforderung an alle, auch diejenigen, denen immer gesagt wurde, sie könnten nicht zeichnen, seien unmusikalisch oder das Schreiben von Geschich­ten sei reine Zeitverschwendung: Stürzen Sie sich in das Abenteuer Kreativität und lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Es gibt kaum eine bessere Art und Weise sich zu entspannen und den Horizont zu erweitern.

Ihr Andreas Nemeth,
dem übrigens auch immer gesagt wurde, er könne nicht malen und der es trotzdem tut.