Wissen Sie, was mir einen eigentlich guten Film so richtig vermiesen kann? Ein zwanghaftes Happy End, womöglich noch mit einem kräftigen Druck auf die Tränendrüse! Da bekomme ich richtiggehend schlechte Laune, und zwar nicht, weil ich ein Mann bin und nicht weinen möchte, sondern weil ich mir nur sehr ungern Gefühle aufzwingen lasse. Ein Wunsch, den ich vermutlich mit vielen anderen teile.

Eine Kreditkarte, die vermeintlichen Erfolg signalisiert, ist typisch für Marketingaktionen, die einen künstlichen Mangel erzeugen, den das Produkt dann deckt. Foto: Pixabay

Nun sind Emotionen, wie an dieser Stelle schon mehrfach formuliert wurde, aber auch eine gute Möglichkeit, um Begehrlichkeit zu schaffen. Das funktioniert am POS z.B. durch Events, das Schaffen eines Images, das eine ganz bestimmte Zielgruppe anspricht, durch ein Markenportfolio, das Geschichten zu erzählen hat, und last, but not least durch begeisterte Verkaufsmitarbeiter.

Im Marketing hingegen werden oftmals künstlich Emotionen oder Minderwertigkeitsgefühle hergestellt, die das Produkt dann zu lösen imstande ist: Sie fühlen sich nicht schön? Kaufen Sie diese Creme! Sie können nicht kochen? Mit diesem Buch gelingt es Ihnen sofort! Sie fühlen sich nicht anerkannt? Mit dieser Kreditkarte ändert sich das schlagartig!

Marketing: Menschheit bald immun gegen Emotionen?

Henry Gatterer, geschäftsführender Gesellschafter des Zukunftsinstituts, sprach kürzlich von einer „Omnipräsenz vermarkteter Gefühle“, die zu „Abstumpfungseffekten“ führen und „Widerstände gegen eine emotionale Übergriffigkeit“ erzeugen könne. So wie es bei mir bei erzwungenen Happy Endings der Fall ist.

Wie aber sollte das Marketing von morgen aussehen, wenn die Menschheit quasi als Abwehrmaßnahme eine „emotionale Souveränität“ entwickelt hat? Gatterer empfiehlt die Rückbesinnung auf das, was Menschen im tiefsten Innern antreibt – nämlich Werte und Vertrauen. Wer als Marke und Unternehmen authentisch wahrgenommen werden und Kunden sowie Mitarbeiterbindung erzeugen möchte, muss nicht nur Werte haben, sondern diese kommunizieren und vor allem konsistent (vor-)leben „in der Unternehmenskultur, in der Produktion, und Strategie … im Produktangebot und beim Umgang mit potenziellen Kunden“.

Ihr Andreas Nemeth

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