WERTSCHÄTZUNG IM JOB

EIN GUTER BERATER VERKAUFT GLÜCKSMOMENTE

EIn guter berater verkauft Glücksmomente

Andreas Nemeth berät mit seiner Agentur „Nemeth Training + Coaching – Die Potenzialentwickler“ den Modehandel bei Fragen der Mitarbeiter-Motivation.

Laut TW-Testclub befürchten 77% der Händler, dass sie ohne Gehaltsanpassungen gute Mitarbeiter verlieren. Zugleich sehen 64% der Ladeninhaber derzeit keinerlei finanziellen Spielraum für Gehaltserhöhungen. Was tun?

Das ist zurzeit eines meiner Kernthemen. Wer mit dem Gehalt nicht punkten kann, braucht jetzt eine besonders gute Unternehmenskultur, in der sich die Mitarbeiter wohler fühlen als irgendwo anders. Ein Klima der Wertschätzung, in der sich die Menschen entfalten können, ist oftmals wichtiger als ein paar Euro mehr. Wir sind eine Familie – zurzeit ist es wichtiger denn je, das den Mitarbeitern zu zeigen. Genauso wie die Dankbarkeit für die Leistungen.

Gleichzeitig steigen die Verbraucherpreise so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr, hohe Energiekosten lassen sich nicht mit Dankbarkeit bezahlen. Bei unserer Insta-Umfrage sagen 62% der Mitarbeiter, dass sie nach neuen Jobs schauen, wenn ihr Gehalt nicht erhöht wird. Wie gelingt es, Leistungsträger ohne Lohnerhöhung zu halten?

Wertschätzung ist auch bei Leistungsträgern der Schlüssel. Das kann manchmal schon ein Team-Frühstück am Samstagmorgen sein. Oft sind es die kleinen Dinge, die uns Menschen gut tun und zeigen, ich bin keine Nummer, kein Kostenträger. Aber natürlich ist die derzeitige Inflation ein Thema, dem sich auch der Händler stellen muss. Ich empfehle jedem Unternehmen, die Zahlen genau anzuschauen und zu überprüfen, ob Mitarbeiter, die überdurchschnittlich produktiv sind, nicht auch überdurchschnittlich bezahlt werden können. Oft ist da mehr drin, als viele Unternehmer glauben.

Zumal Aldi und Lidl schon vor der gesetzlichen Erhöhung des Mindestlohns  ab Juni freiwillig den Stundenlohn auf 14 Euro anheben. Befürchten Sie eine Kündigungswelle im Modehandel?

Nein, ich denke nicht, dass Jemand der in der Modebranche arbeitet nur wegen ein paar Euro mehr zu Aldi wechselt. Denn den meisten geht es ja nicht nur ums Geld. Natürlich gibt es da auch alleinerziehende Mütter mit zwei oder gar drei Kindern, die von ihrem Gehalt leben muss. Auch hier empfehle ich den Unternehmern genau zu prüfen, wer im Team ist und wie die finanziellen Spielräume und Möglichkeiten tatsächlich aussehen und hier auch mal gezielt Gehälter zu erhöhen, um Kündigungswellen zu vermeiden. Oft geht nämlich mehr als zunächst gedacht wird.  

Zudem kommt im Herbst der neue Mindestlohn, der dazu führen kann, dass Aushilfen dann mit einem Stundenlohn von Netto 12 Euro mehr bekommen als eine gestandene Modeberaterin.

Ja, das ist natürlich ein Problem. Auch das muss dann genau erklärt werden. Viele wissen tatsächlich nicht, wie sich all die Abzüge zusammensetzen und dass der Arbeitgeber einen großen Batzen Geld noch drauflegt. Generell bin ich dafür, mit dem Thema Gehalt, das lange  ein Tabu-Thema war, unter den neuen Gegebenheiten offen und transparent umzugehen und anhand der Zahlen zu zeigen, wo das Unternehmen steht, was nach Corona noch geht und was eben nicht. Auch mal vorzurechnen, wieviel bei einem Bon von 100 Euro für den Händler übrig bleibt. Das schafft Vertrauen und Verständnis.

Inwieweit sollten dabei die Inhaber proaktiv vorgehen ohne zu warten, bis sie auf eine Gehaltserhöhung direkt angesprochen werden?

Proaktiv sollten jetzt schon Mitarbeiter-Gespräche geführt werden, in denen es um Wertschätzung und Dankbarkeit geht. Wer das bislang nicht getan hat, muss hier unbedingt aktiv werden, um den Leuten zu zeigen, wie wertvoll sie sind und die Leistung jedes Einzelnen zu würdigen. Ehrlich und authentisch. In großen Häusern sollten die Führungskräfte dringend entsprechend gebrieft werden. So kann man jetzt vielleicht noch Kündigungen aus Geldgründen vorbeugen.

Hilft es, eine Gehaltserhöhung in Aussicht zu stellen – gekoppelt an den Unternehmenserfolg?

Natürlich. Das ist ein ganz wichtiges Tool. Es geht um einen gemeinsamen Plan, um Umsatzziele, die an eine Team-Prämie gekoppelt sind. Am besten im Zeitraum von maximal einem Jahr. Auch das kann übrigens proaktiv eingeführt und angekündigt werden.

Und wenn gar nichts geht – welche andere Art der Motivation kann die monetäre am besten ersetzen?

Das kann wie gesagt nur eine positive Unternehmenskultur der Lebensfreude und der persönlichen Entfaltung sowie der familiäre Aspekt. Der Appell: Wenn ich jetzt da bin, wenn es der Firma schlecht geht, ist sie dann für mich da, wenn ich mal ein Problem habe. Wobei natürlich akute finanzielle Sorgen der Mitarbeiter individuell berücksichtigt werden müssen. Ganz wichtig sind aber auch Weiterbildungsmaßnahmen und Trainings…

… die dazu führen, das Berufsbild und das Image des Verkaufsberaters am POS dauerhaft aufzuwerten?

Ganz genau. Das ist generell das ganz große Thema der Branche. Es geht darum, die Sinnhaftigkeit zu betonen. Ein guter Berater verkauft nicht nur Klamotten, sondern Glücksmomente. Das geht bei Aldi an der Kasse nicht. Beim Platzhirsch sorgt er dafür, dass die Innenstädte attraktiv bleiben. Mit jedem Paar Socken, dass er verkauft, trägt er dazu bei, Arbeitsplätze zu erhalten.  

Inwieweit hilft das auch beim Recruiting auf dem extrem angespannten Arbeitsmarkt – wenn mit dem Gehalt schon nicht gepunktet werden kann?

Ich glaube, das ist langfristig das Einzige, was wirklich hilft. Denn die Stundenlöhne in der Wirtschaft, am Fließband, werden immer höher sein als in der Modebranche. Wie hoch die Fluktuation ist, ist immer auch eine Frage der richtigen Führungs- und Unternehmenskultur. Da kann vieles das hohe Gehalt ausgleichen.

Dieses Interview mit Coach Andreas Nemeth ist im Fachmagazin Textilwirtschaft erschienen.

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